Die Brandgans

Die Brandgans (Tadorna tadorna) ist ein auffälliger, gänseähnlicher Entenvogel, der als typische Halbgans Merkmale beider Gruppen vereint. Sie ist ein spezialisierter Küstenbewohner und eine prägende Erscheinung im Wattenmeer. Mit ihrem kontrastreichen, bunten Gefieder und dem leuchtend roten Schnabel ist sie an Stränden und Flussmündungen kaum zu übersehen. Die Brandgans wirkt an Land durch ihren aufrechten, leicht watschelnden Gang gänseartig, im Flug und auf dem Wasser erinnert sie jedoch mehr an eine Ente. Sie ist ein hervorragender Schwimmer und geschickt darin, das weiche Watt nach Nahrung zu durchsuchen.

Größe: 58–71 cm
Gewicht: 800–1500 g (Männchen etwas größer und schwerer als das Weibchen)
Spannweite: 110–133 cm
Erscheinungsbild: Kontrastreiches Gefieder mit vorwiegend weißem Körper, dunkelgrün bis schwarz schimmerndem Kopf und Hals, breitem rotbraunen Brustband und schwarzen Schwingen; leuchtend roter Schnabel. Das Männchen (Erpel) entwickelt zur Brutzeit einen auffälligen, dicken roten Stirnhöcker an der Schnabelwurzel.
Art: Halbgans aus der Familie der Entenvögel (Anatidae)
Lebensraum: Flache Meeresküsten, Wattenmeer, Flussmündungen, Salzwiesen und gelegentlich größere flache Binnengewässer.

Vorkommen

Die Brandgans ist an den Küsten Nord- und Westeuropas sowie in Teilen Zentralasiens verbreitet. Ihre Brutgebiete konzentrieren sich vor allem auf Küstenregionen mit flachem Wasser und sandigen oder schlammigen Ufern. In Deutschland ist sie ein typischer und häufiger Brutvogel der Nord- und Ostseeküste. Eine Besonderheit der Brandgans ist ihr spektakulärer Mauserzug: Im Spätsommer sammeln sich hunderttausende Vögel aus weiten Teilen Nordwesteuropas im deutschen Wattenmeer (beispielsweise auf dem Großen Knechtsand oder bei Trischen). Dort wechseln sie gemeinsam ihr Gefieder und sind in dieser Zeit für etwa drei bis vier Wochen flugunfähig.

Nahrung und Verhalten

Die Brandgans ernährt sich fast ausschließlich von tierischer Kost aus dem Schlick. Zu ihrer bevorzugten Beute gehören winzige Wattschnecken, kleine Muscheln (wie die Herzmuschel), Krebstiere, Insektenlarven und Borstenwürmer. Ihre charakteristische Technik bei der Nahrungssuche ist das sogenannte „Sensen“: Dabei geht sie durchs flache Wasser oder den weichen Schlick und schwenkt den Schnabel in gleichmäßigen, sichelförmigen Bewegungen hin und her, um die oberste Schlammschicht nach fressbaren Kleintieren durchzusieben. Außerhalb der Brutzeit ist die Brandgans sehr gesellig und bildet oft riesige, dichte Schwärme.

Brutzeit und Aufzucht

Die Brutzeit beginnt meist im Mai. Anders als viele andere Entenvögel sind Brandgänse Höhlenbrüter. Ihr Nest legen sie bevorzugt in Erdhöhlen an, sehr häufig in verlassenen Kaninchen- oder Fuchsbauten in den Dünen. Selten brüten sie auch unter Felsbrocken oder in dichten Brombeersträuchern.

Ein Gelege umfasst in der Regel 8–12 Eier. Das Weibchen polstert die Bruthöhle dick mit eigenen hellen Dunendaunen aus und bebrütet die Eier allein für etwa 29–31 Tage. Das Männchen hält sich währenddessen in der Nähe auf und bewacht das Revier.

Die flauschigen, schwarz-weiß gemusterten Küken sind Nestflüchter. Bereits kurz nach dem Schlüpfen verlassen sie die Höhle und folgen ihren Eltern oft über weite Strecken bis ans Wasser. Eine faszinierende Verhaltensweise der Brandgänse ist die Bildung von „Kindergärten“: Oft schließen sich mehrere Familien zusammen. So werden teils riesige Scharen von Jungvögeln von nur wenigen Altvögeln bewacht, während viele der eigentlichen Eltern bereits den Zug in die Mausergebiete antreten. Nach etwa 45–50 Tagen sind die Jungvögel schließlich flugfähig.

Stimme

Die Stimmen von Männchen und Weibchen unterscheiden sich bei der Brandgans stark. Das Weibchen ist deutlich lauter und ruft oft ein tiefes, schnelles und raues „gag-gag-gag“ oder bellend „ak-ak-ak“, besonders im Flug, bei Erregung oder wenn es die Küken lockt. Das Männchen ist im Vergleich dazu viel leiser. Es äußert weiche, pfeifende oder surrende Laute, die oft wie ein helles, melodisches „piiw-piiw“ oder ein leises Trillern klingen. Vor allem während der Balz im Frühjahr oder in fliegenden Schwärmen ist das abwechselnde Rufen beider Geschlechter ein typisches Geräusch an der Küste.