Der Alpenstrandläufer

Der Alpenstrandläufer (Calidris alpina) ist einer der häufigsten und zugleich faszinierendsten Watvögel Europas. Trotz seines Namens ist er kein Bewohner der Alpen, sondern ein typischer Küsten- und Feuchtgebietsvogel, der vor allem durch sein dichtes Schwarmverhalten und seine unermüdliche Nahrungssuche auffällt. Besonders eindrucksvoll sind die synchronen Flugbewegungen großer Trupps, die wie ein pulsierender Organismus über Wattflächen und Uferzonen ziehen.

Im Brutkleid ist der Alpenstrandläufer durch seinen markanten schwarzen Bauchfleck leicht zu erkennen, während er im Schlichtkleid deutlich unscheinbarer wirkt. Seine enorme Zugleistung macht ihn zu einem echten Langstreckenwanderer zwischen Arktis und gemäßigten Küstenregionen.

Größe: 16–21 cm
Gewicht: 40–65 g
Spannweite: 32–36 cm
Erscheinungsbild: Gedrungener Watvogel mit leicht nach unten gebogenem Schnabel; im Brutkleid rötlich-braun mit schwarzem Bauchfleck, im Winter grau-weiß
Art: Watvogel aus der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Lebensraum: Wattflächen, Schlick- und Sandküsten, Salzwiesen, flache Binnengewässer und Überschwemmungsflächen

Vorkommen

Der Alpenstrandläufer brütet in der arktischen Tundra Nordskandinaviens, Sibiriens, Grönlands und Nordamerikas. Nach der Brutzeit zieht er in großen Schwärmen in seine Überwinterungsgebiete. Diese liegen entlang der Küsten Europas, Afrikas, Südasiens sowie in Teilen Südamerikas.

In Deutschland ist der Alpenstrandläufer vor allem als Durchzügler und Wintergast an der Nord- und Ostseeküste zu beobachten. Besonders große Ansammlungen finden sich im Wattenmeer, das für ihn ein zentrales Rast- und Nahrungsgebiet darstellt.

Nahrung und Verhalten

Alpenstrandläufer ernähren sich überwiegend von kleinen wirbellosen Tieren wie Würmern, Muscheln, Schnecken, Krebstieren und Insektenlarven. Mit schnellen, ruckartigen Bewegungen stochern sie im Schlick und nehmen ihre Beute gezielt auf.

Typisch ist ihr ausgeprägtes Schwarmverhalten. Tausende Individuen können gemeinsam rasten, fressen oder auffliegen. Diese dichten Schwärme bieten Schutz vor Fressfeinden und ermöglichen eine effektive Nutzung der Nahrungsflächen. Im Flug wechseln sich helle und dunkle Flügelunterseiten zu einem eindrucksvollen „Flimmern“ ab.

Brutzeit und Aufzucht

Die Brutzeit beginnt im kurzen arktischen Sommer meist im Juni. Das Nest ist eine flache Mulde am Boden, oft in Moos oder niedriger Vegetation verborgen. Das Gelege besteht aus 3–4 Eiern, die überwiegend vom Männchen etwa 20–22 Tage lang bebrütet werden.
Nach dem Schlupf sind die Küken Nestflüchter und verlassen sofort das Nest. Sie ernähren sich selbstständig, werden aber in den ersten Tagen vom Altvogel geführt und gewärmt. Bereits nach etwa drei Wochen sind die Jungvögel flugfähig – eine notwendige Anpassung an die kurze Brutzeit in der Tundra.

Stimme

Der Alpenstrandläufer ist außerhalb der Brutzeit meist leise. Während des Zuges und in den Winterquartieren hört man gelegentlich kurze, rollende oder pfeifende Kontaktrufe, oft als weiches „trüit“ beschrieben.

In den Brutgebieten hingegen trägt das Männchen einen trillernden, melodischen Gesang vor, der im Singflug über der Tundra erklingt. Diese feinen, vibrierenden Laute stehen in starkem Kontrast zur ansonsten zurückhaltenden akustischen Präsenz der Art.