Die Graugans

Die Graugans (Anser anser) ist eine große, kräftige Wasservogelart und der wilde Vorfahr unserer bekannten Hausgänse. Sie fällt durch ihr graubraunes Gefieder und den kräftigen, orangefarbenen oder rosaroten Schnabel auf. Als sehr geselliges Tier ist sie oft in großen Schwärmen auf Seen und angrenzenden Wiesen anzutreffen. Bei uns gehört sie zu den bekanntesten und lautstärksten Vögeln am Wasser. Die Graugans wirkt an Land durch ihren watschelnden Gang manchmal etwas gemütlich, ist aber ein ausdauernder Flieger. Ihr Flug in der typischen V-Formation ist ein beeindruckendes Schauspiel am Himmel.

Größe: 75–90 cm
Gewicht: 2.500–4.000 g
Spannweite: 147–180 cm
Erscheinungsbild: Kräftiger Körperbau; graubraunes Gefieder mit helleren Federrändern, auffällig heller Vorderflügel im Flug; dicker orangefarbener bis rosafarbener Schnabel und rosafarbene Beine; Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Art: Gans aus der Familie der Entenvögel (Anatidae), Unterfamilie der Gänse
Lebensraum: Seen, Teiche, Flusstäler mit Schilfgürteln; zur Nahrungssuche häufig an Land auf Wiesen, Weiden und Äckern.

Vorkommen

Die Graugans ist in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet. In Deutschland ist sie ein sehr häufiger Brutvogel und fast überall an geeigneten Gewässern zu finden.

Viele Graugänse sind sogenannte Standvögel und bleiben das ganze Jahr über bei uns. Andere weichen im Winter nur kurze Strecken vor Schnee und Eis aus. Zur Zugzeit im Herbst und Winter gesellen sich zudem oft große Scharen aus Nord- und Osteuropa zu unseren heimischen Vögeln.

Nahrung und Verhalten

Die Graugans ist eine reine Pflanzenfresserin. Mit ihrem kräftigen Schnabel „weidet“ sie an Land Gräser, Kräuter und Wurzeln ab – fast wie ein kleines Schaf. Im Herbst und Winter sucht sie auch gerne auf abgeernteten Feldern nach energiereichen Getreideresten oder Mais. Außerhalb der Brutzeit ist sie extrem gesellig und lebt in großen Familienverbänden zusammen. Sie ist sehr wachsam: Wenn die Gruppe frisst, strecken immer einige Gänse den Hals in die Höhe, um nach Gefahren Ausschau zu halten.

Brutzeit und Aufzucht

Die Brutzeit beginnt sehr früh, oft schon im März. Graugänse sind sehr treu und bleiben meist ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen! Das Nest wird aus Schilf und Gras gebaut und weich mit eigenen Daunenfedern ausgepolstert, oft gut versteckt im dichten Schilf oder sicher auf kleinen Inseln. Ein Gelege umfasst meist 4–9 Eier, die ausschließlich vom Weibchen etwa 27–29 Tage lang bebrütet werden. Der Gänserich (das Männchen) hält derweil in der Nähe mutig Wache.

Die flauschigen Küken (man nennt sie „Gössel“) sind Nestflüchter und watscheln den Eltern schon kurz nach dem Schlüpfen ins Wasser hinterher. Die ganze Familie passt gemeinsam auf die Kleinen auf. Nach etwa 50–60 Tagen sind die Jungvögel flugfähig, bleiben aber oft noch den ganzen Winter über bei ihren Eltern.

Stimme

Im Gegensatz zum ruffaulen Mittelsäger ist die Graugans sehr gesprächig! Ihr lautes, durchdringendes und oft trompetendes „ga-ga-ga“ oder „il-il-il“ ist weithin hörbar, besonders wenn die Schwärme am Himmel fliegen. Bei Gefahr oder wenn sie sich streiten, strecken sie den Hals vor und fauchen oder zischen wie Schlangen. Insgesamt spielt die Stimme bei der Graugans eine riesige Rolle – so halten die großen Familien und Schwärme im Flug und am Boden ständig Kontakt zueinander.