Der Große Brachvogel (Numenius arquata) ist der größte Watvogel Europas, der für seinen unverkennbaren, langen, abwärts gebogenen Schnabel und seinen melancholischen, flötenden Ruf bekannt ist. Er ist ein hochspezialisierter Bewohner offener Feuchtgebiete und eine markante Erscheinung auf weiten Wiesen und im Wattenmeer. Mit seinen langen Beinen und dem schlichten, aber perfekt tarnenden Gefieder ist er hervorragend an das Leben in weiten, offenen Landschaften angepasst. Der Große Brachvogel wirkt mit seinem bedächtigen, stelzenden Gang ruhig und elegant. Seine Nahrungssuche ist ein echtes Schauspiel: Mit seinem extrem sensiblen Schnabel stochert er tief im weichen Schlamm oder Boden, um verborgene Beute zielsicher aufzuspüren.
Größe: 50–60 cm (Das Weibchen ist meist etwas größer und hat einen längeren, stärker gebogenen Schnabel als das Männchen)
Gewicht: 550–1.300 g
Spannweite: 80–100 cm
Erscheinungsbild: Lange Beine und ein auffällig langer, sichelförmig abwärts gebogener Schnabel; sandbraunes, stark längsgestreiftes Gefieder, das im hohen Gras hervorragende Tarnung bietet; im Flug zeigt er einen markanten, weißen keilförmigen Fleck auf dem unteren Rücken (Bürzel).
Art: Watvogel aus der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Lebensraum: Weitläufige Feuchtwiesen, Moore, Flussauen und – besonders außerhalb der Brutzeit – Küstenlandschaften und Wattenmeere.
Vorkommen
Der Große Brachvogel ist in weiten Teilen der gemäßigten Zonen Europas und Asiens verbreitet. Seine Brutgebiete liegen bevorzugt in ungestörten, feuchten Grünländern und Hochmooren. In Deutschland ist er zwar ein heimischer Brutvogel, seine Bestände sind jedoch durch Lebensraumverlust (Entwässerung und intensive Landwirtschaft) stark zurückgegangen und gefährdet. Im Winterhalbjahr verlassen die meisten Brachvögel das Binnenland und ziehen an die Küsten. Dort, insbesondere im Wattenmeer der Nordsee, sammeln sie sich oft in riesigen Schwärmen und bekommen Zuzug von Tieren aus Nord- und Osteuropa.
Nahrung und Verhalten
Der Große Brachvogel ernährt sich fast ausschließlich von tierischer Kost, hauptsächlich von Wirbellosen. Im Binnenland erbeutet er vor allem Regenwürmer, Insekten, Spinnen und deren Larven. An der Küste stehen Krebstiere (wie Strandkrabben), Muscheln, Schnecken und Wattwürmer auf dem Speiseplan. Er ist ein taktiler Jäger, der seinen Schnabel fast wie eine Pinzette einsetzt. Während er zur Brutzeit sein Revier vehement verteidigt, ist er im restlichen Jahr sehr gesellig und schließt sich oft mit anderen Watvögeln zu großen Trupps zusammen, die gemeinsam rasten und nach Nahrung suchen.
Brutzeit und Aufzucht
Die Brutzeit beginnt meist im April oder Mai. Das Nest wird am Boden angelegt – meist als flache Mulde in der Erde, die gut in der spärlichen Vegetation von Wiesen oder Mooren versteckt und mit einigen trockenen Halmen ausgekleidet wird. Ein Gelege umfasst in der Regel 4 olivgrüne, braun gefleckte Eier. Die Bebrütung dauert etwa 28–30 Tage und wird von beiden Elternteilen übernommen, wobei sie sich regelmäßig abwechseln. Die flauschigen Küken sind typische Nestflüchter. Sie verlassen die Nestmulde bereits kurz nach dem Schlüpfen und suchen von Anfang an selbstständig nach Insekten an der Bodenoberfläche.
Die Eltern bewachen die Jungen jedoch aufmerksam, wärmen sie (hudern) und warnen lautstark vor Feinden. Nach etwa 35–40 Tagen sind die Jungvögel schließlich flugfähig.
Stimme
Der Große Brachvogel sehr ruffreudig und stimmlich auffällig. Sein Ruf ist weithin hörbar und wird oft als flötend und melancholisch beschrieben – ein langgezogenes, wehmütiges „tlu-ieh“ oder „cur-lee“ (woher auch sein englischer Name Curlew stammt). Besonders beeindruckend ist sein Balzgesang, den das Männchen in einem speziellen Singflug über dem Revier vorträgt: Er beginnt mit langsamen, flötenden Tönen und geht dann in ein trillerndes, wohltönendes und an- und abschwellendes „Kullern“ über, das als einer der charakteristischsten und schönsten Klänge der europäischen Feuchtlandschaften gilt.








