Der Grünschenkel (Tringa nebularia) ist ein mittelgroßer bis großer Watvogel, der für seine langen, namensgebenden grünen Beine und sein sehr aktives Verhalten im Flachwasser bekannt ist. Er ist ein spezialisierter Bewohner von Feuchtgebieten und in Mitteleuropa ein auffälliger Durchzügler an Küsten und Binnengewässern. Mit seinem schlanken Körperbau und dem leicht aufwärts gebogenen Schnabel ist er perfekt an die Nahrungssuche in schlammigen oder flachen Wasserzonen angepasst.
Größe: 30–35 cm
Gewicht: 140–270 g
Spannweite: 68–70 cm
Erscheinungsbild: Lange, graugrüne bis gelbgrüne Beine; kräftiger, leicht nach oben gebogener dunkler Schnabel; Oberseite grau-braun gemustert, Unterseite leuchtend weiß; im Flug zeigt er einen markanten, weit den Rücken hinaufreichenden weißen Keil (Bürzel). Männchen und Weibchen unterscheiden sich im Gefieder nicht.
Art: Watvogel aus der Familie der Schnepfenvögel (Scolopacidae)
Lebensraum: Zur Brutzeit in Mooren, Sümpfen und lichten Nadelwäldern der nordischen Taiga. Auf dem Zug und im Winterquartier an flachen Küstengewässern, im Wattenmeer sowie an Schlammufern von Flüssen und Seen.
Der Grünschenkel wirkt bei der Nahrungssuche extrem lebhaft und agil. Seine Technik gleicht einer aktiven Jagd: Er rennt oft in rasantem Tempo durch das flache Wasser, um aufgescheuchte Beute zielsicher zu schnappen, anstatt sie nur bedächtig aus dem Schlamm zu stochern.
Vorkommen
Der Grünschenkel brütet im nördlichen Eurasien, von Schottland und Skandinavien bis weit in den Osten Sibiriens. Seine Brutgebiete erstrecken sich vor allem in der weitgehend ungestörten Taiga.
In Deutschland ist er kein Brutvogel, sondern ein regelmäßiger und flächendeckend zu beobachtender Durchzügler auf dem Weg in seine Winterquartiere oder zurück ins Brutgebiet. Als echter Langstreckenzieher verlässt er im Spätsommer und Herbst den Norden, um in weiten Teilen Afrikas, im südlichen Asien oder sogar bis nach Australien zu überwintern.
Nahrung und Verhalten
Der Grünschenkel ernährt sich von einer Vielzahl kleiner Wassertiere. Er jagt Wasserinsekten und deren Larven, Würmer, kleine Krebstiere und erbeutet mit seinem Schnabel auch überraschend geschickt kleine Fische oder Amphibien. Er ist ein optischer und taktiler Jäger, der seine Beute oft auf Sicht verfolgt. Häufig durchpflügt er das Wasser mit seitlichen Schnabelbewegungen oder sprintet kleinen Fischen im Flachwasser hinterher. Er gilt als sehr scheu und wachsam; oft ist er der Erste, der bei einer potenziellen Gefahr im Rastgebiet auffliegt und Alarm schlägt. Außerhalb der Brutzeit schließt er sich gerne lockeren Trupps mit anderen Watvögeln an.
Brutzeit und Aufzucht
Die Brutzeit beginnt in den nordischen Gebieten meist im Mai oder Juni. Das Nest wird am Boden angelegt – meist als einfache, spärlich ausgekleidete flache Mulde. Es liegt oft gut getarnt in der Nähe von markanten Landschaftselementen wie alten Baumstümpfen, Felsen oder liegendem Totholz. Ein Gelege umfasst in der Regel 4 Eier, die von beiden Elternteilen etwa 24–25 Tage lang bebrütet werden. Die flauschigen Küken sind ausgeprägte Nestflüchter. Sie verlassen die Nestmulde bereits kurz nach dem Schlüpfen und suchen sofort selbstständig nach Nahrung.
Die Eltern bewachen die Jungen aufmerksam und warnen bei Gefahr. Interessanterweise verlässt das Weibchen die Familie oft schon einige Zeit vor dem Flüggewerden der Jungen, woraufhin das Männchen die weitere Führung der Küken übernimmt, bis diese nach etwa 25–31 Tagen flugfähig sind.
Stimme
Der Grünschenkel ist ein sehr ruffreudiger Vogel, der sich stimmlich stark bemerkbar macht. Sein typischer Flug- und Warnruf ist weithin hörbar und äußerst charakteristisch: ein hohles, weiches, aber lautes und schnell gereihtes, meist dreisilbiges „tjü-tjü-tjü“ oder „tju-tju-tju“. Durch diesen markanten und durchdringenden Ruf verrät der Grünschenkel seine Anwesenheit oft schon, bevor man ihn am Gewässerufer überhaupt entdeckt hat. Dieser Ruf dient auch als Alarm, der in gemischten Schwärmen oft das panische Auffliegen vieler anderer Watvögel auslöst.










