Die Rohrweihe

Die Rohrweihe (Circus aeruginosus) ist ein mittelgroßer bis großer Greifvogel, der für seinen charakteristischen, gaukelnden Suchflug dicht über Röhrichten und Feldern bekannt ist. Sie ist ein typischer Bewohner von Feuchtgebieten und Schilflandschaften. Mit ihren langen, schmalen Flügeln, die im Flug oft v-förmig gehalten werden, ist sie perfekt an die ausdauernde Jagd im niedrigen Flug angepasst. Die Rohrweihe wirkt im Flug eher gemächlich, fast schon schaukelnd. Ihre Jagdtechnik gleicht einer geduldigen Patrouille: Nach einem ausdauernden Suchflug dicht über der Vegetation lässt sie sich beim Erspähen von Beute oft blitzschnell mit erhobenen Flügeln herabfallen und schlägt am Boden zu.

Größe: 48–56 cm (Weibchen sind meist etwas größer als Männchen)
Gewicht: 400–800 g
Spannweite: 110–130 cm
Erscheinungsbild: Lange Flügel und langer Schwanz; im Gleitflug werden die Flügel in einer flachen V-Stellung gehalten. Das Männchen ist dreifarbig mit braunem Rücken, silbergrauen Flügelbereichen und schwarzen Flügelspitzen; das Weibchen ist fast einheitlich dunkelbraun, hat aber einen sehr auffälligen cremefarbenen bis gelblichen Kopf und Kehlfleck.
Art: Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae)
Lebensraum: Ausgedehnte Schilf- und Röhrichtbestände an Seen, Teichen und Sümpfen; zunehmend aber auch in landwirtschaftlichen Nutzkulturen wie Getreide- oder Rapsfeldern.

Vorkommen

Die Rohrweihe ist in weiten Teilen Europas und Asiens sowie in Teilen Nordafrikas verbreitet. Ihre Brutgebiete erstrecken sich vor allem auf Feuchtgebiete und intakte Schilfgürtel, solange diese ausreichend Schutz und Nahrung bieten. In Deutschland ist sie ein weit verbreiteter Brutvogel, vor allem im Norddeutschen Tiefland. Im Gegensatz zum Sperber sind die meisten Rohrweihen Zugvögel (Lang- oder Kurzstreckenzieher). Sie verlassen im Spätsommer oder Herbst ihre Brutreviere, weichen vor der kalten Jahreszeit nach Südeuropa oder Afrika südlich der Sahara aus und kehren im März oder April zurück.

Nahrung und Verhalten

Die Rohrweihe ist ein flexibler Jäger und ernährt sich von kleinen Säugetieren (wie Wühlmäusen), jungen Wasser- und Singvögeln (oft Blässhühner oder Entenküken), aber auch von Amphibien, Fischen und großen Insekten. Sie ist ein typischer Suchflugjäger, der im niedrigen Flug die Vegetation systematisch überfliegt. Sie nutzt dabei ihr hervorragendes Sehvermögen und Gehör, um raschelnde Beute im dichten Schilf oder Gras zu lokalisieren. Außerhalb der Brutzeit und besonders auf dem Vogelzug können Rohrweihen durchaus gesellig sein und finden sich an günstigen Orten manchmal zu gemeinsamen Schlafplatzgemeinschaften zusammen.

Brutzeit und Aufzucht

Die Brutzeit beginnt meist Ende April oder im Mai. Das Nest wird am Boden angelegt, meist sehr gut versteckt im dichten Altschilf oder Röhricht direkt über dem flachen Wasser (oder in dichten Getreidefeldern). Es besteht aus einem Haufen von Schilfhalmen, Zweigen und Gras. Das Weibchen übernimmt fast allein den Bau des Nestes. Ein Gelege umfasst in der Regel 3–6 weiße bis bläulich-weiße Eier, die hauptsächlich vom Weibchen etwa 31–38 Tage lang bebrütet werden. In dieser gesamten Zeit wird das Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt.

Ein spektakuläres Verhalten ist die Beuteübergabe: Das Männchen lässt die herangebrachte Beute oft im Flug über dem Revier fallen, und das Weibchen fängt sie geschickt in der Luft auf (Luftübergabe). Die flauschigen Küken sind Nesthocker. In den ersten Wochen hudert (wärmt) und bewacht das Weibchen die Jungen am Nest, während das Männchen weiterhin das Futter jagt. Nach etwa 35–40 Tagen sind die Jungvögel flugfähig, werden aber noch gut zwei bis drei Wochen von den Eltern gefüttert, bis sie völlig selbstständig sind.

Stimme

Die Rohrweihe ist außerhalb der Brutzeit ein sehr schweigsamer Vogel. In der Nähe des Nestes und während der Balzflüge im Frühjahr hört man jedoch oft die Rufe des Männchens. Diese klingen klagend oder quäkend, oft wie ein weittragendes „quiä“ oder „pii-äh“. Bei Gefahr oder Störung am Nest äußern beide Geschlechter schnelle, scharfe Warnrufe („kik-kik-kik“). Insgesamt verrät die Rohrweihe ihre Anwesenheit aber viel häufiger durch ihr markantes Flugbild und das lautlose Gaukeln über dem Schilfmeer als durch ihre Stimme.