Der Silberreiher (Ardea alba) ist ein großer, eleganter Watvogel, der durch sein rein weißes Gefieder und seine ruhige, würdevolle Erscheinung besticht. Ursprünglich vor allem in südlicheren Regionen verbreitet, ist er heute auch in Mitteleuropa ein regelmäßiger und zunehmend häufiger Anblick. Besonders in Feuchtgebieten, an Seen und Flussauen fällt er durch seine langsamen Bewegungen und seine beeindruckende Größe auf. Der Silberreiher wirkt im Gelände oft majestätisch und ruhig. Im Flug fällt er durch langsame, kräftige Flügelschläge auf, wobei er – typisch für Reiher – den Hals S-förmig anzieht.
Größe: 85–102 cm
Gewicht: 700–1.500 g
Spannweite: 140–170 cm
Erscheinungsbild: Groß, schlank; vollständig weißes Gefieder; langer, gelber Schnabel (zur Brutzeit dunkler); lange schwarze Beine
Art: Watvogel aus der Familie der Reiher (Ardeidae)
Lebensraum: Seen, Flüsse, Altarme, Feuchtwiesen, Überschwemmungsflächen, Küstenlagunen
Vorkommen
Der Silberreiher ist in Europa, Asien, Afrika sowie Amerika verbreitet. In Europa war er lange Zeit vor allem im Süden anzutreffen, hat sein Verbreitungsgebiet jedoch seit dem späten 20. Jahrhundert stark nach Norden ausgeweitet. In Mitteleuropa ist er heute ganzjährig präsent, insbesondere in milden Regionen. In Deutschland tritt der Silberreiher als Brutvogel, Durchzügler und Überwinterer auf. Er besiedelt bevorzugt strukturreiche Feuchtgebiete mit flachen Wasserzonen, nutzt aber auch landwirtschaftliche Flächen wie überstaute Wiesen oder Gräben zur Nahrungssuche.
Nahrung und Verhalten
Der Silberreiher ernährt sich überwiegend von tierischer Nahrung. Dazu zählen Fische, Amphibien, Insekten, Krebse, Würmer sowie Kleinsäuger. Seine Jagd erfolgt meist im Flachwasser, wo er langsam schreitet oder reglos verharrt, um blitzschnell mit einem präzisen Schnabelstoß zuzuschlagen. Neben der typischen Lauerjagd nutzt er auch aktive Jagdmethoden, etwa das Aufscheuchen von Beute durch vorsichtiges Umhergehen. Nicht selten jagt er auch auf Wiesen oder Feldern, wo er Mäuse und größere Insekten erbeutet.
Brutzeit und Aufzucht
Die Brutzeit des Silberreihers beginnt je nach Region im Frühjahr, meist ab April. Er brütet kolonieweise, häufig gemeinsam mit anderen Reiherarten, in hohen Bäumen oder im Röhricht dichter Feuchtgebiete. Das Nest ist eine große, stabile Plattform aus Zweigen, die über mehrere Jahre genutzt und ausgebaut werden kann. Ein Gelege besteht in der Regel aus 3–5 Eiern, die von beiden Elternteilen etwa 23–26 Tage lang bebrütet werden. Die Jungvögel werden intensiv betreut und mit hochgewürgter Nahrung versorgt. Nach etwa 6–7 Wochen verlassen sie das Nest, sind jedoch noch einige Zeit auf die Fürsorge der Altvögel angewiesen, bevor sie selbstständig werden.
Stimme
Der Silberreiher ist insgesamt eher ruffaul. Seine Lautäußerungen beschränken sich meist auf die Brutzeit und auf Situationen der Erregung. Typisch sind raue, heisere Rufe, die als tiefes „karr“, „graa“ oder „rrah“ beschrieben werden. In den Brutkolonien können diese Rufe häufiger zu hören sein, dienen dort aber vor allem der Revierabgrenzung und der Kommunikation zwischen Partnern. Abseits der Brutplätze ist der Silberreiher meist vollkommen still – seine Präsenz wird dann eher durch sein auffälliges Erscheinungsbild als durch seine Stimme wahrgenommen.













