Der Wiesenpieper

Der Wiesenpieper (Anthus pratensis) ist ein kleiner, eher unscheinbarer Singvogel, der für seinen markanten, fallschirmartigen Singflug bekannt ist. Er ist ein spezialisierter Bewohner offener Habitate und ein typischer Charaktervogel von Feuchtwiesen, Weiden und Moorlandschaften. Mit seinem längsgestreiften, braunen Gefieder ist er perfekt an das Leben am Boden und die Tarnung in der niedrigen Vegetation angepasst. Der Wiesenpieper bewegt sich am Boden oft flink laufend fort, anstatt zu hüpfen. Seine Fortbewegung im Flug ist durch eine wellenförmige Flugbahn gekennzeichnet.

Besonders zur Balzzeit zieht er jedoch alle Blicke auf sich: Bei seinem speziellen Singflug steigt er steil auf und gleitet anschließend mit ausgebreiteten Flügeln wie an einem Fallschirm langsam wieder zu Boden.

Größe: 14,5–15,5 cm (Männchen und Weibchen sehen gleich aus)
Gewicht: 15–22 g
Spannweite: 22–25 cm
Erscheinungsbild: Unauffällig; Oberseite olivbraun mit dunklen Längsstreifen; helle Brust und Flanken mit deutlichen dunklen Stricheln; feiner, spitzer Insektenschnabel; markant lange, gebogene Hinterkralle.
Art: Singvogel aus der Familie der Stelzen und Pieper (Motacillidae)
Lebensraum: Offene, baumfreie Landschaften wie Feuchtwiesen, Weiden, Moore, Heiden und Küstendünen.

Vorkommen

Der Wiesenpieper ist in weiten Teilen der Nordhälfte Europas sowie im westlichen Asien verbreitet. Seine Brutgebiete erstrecken sich über weitläufige, offene Landschaften, solange diese nicht zu intensiv landwirtschaftlich genutzt werden und ausreichend Bodenvegetation bieten. In Deutschland ist er ein weit verbreiteter Brutvogel, dessen Bestände aufgrund von Entwässerung und intensivierter Landwirtschaft jedoch leider stark rückläufig sind. Die meisten heimischen Wiesenpieper sind Zugvögel (Kurzstreckenzieher), die den Winter in West- und Südeuropa oder Nordafrika verbringen. Zur Zugzeit im Herbst durchqueren zudem riesige Schwärme von Wiesenpiepern aus Skandinavien den mitteleuropäischen Raum.

Nahrung und Verhalten

Der Wiesenpieper ernährt sich im Sommerhalbjahr fast ausschließlich von kleinen Insekten, Spinnen, Würmern und kleinen Schnecken. Im Winter wird dieser Speiseplan durch feine Sämereien ergänzt. Er ist ein eifriger Bodensucher, der geschickt durch das Gras navigiert, um seine Beute mit schnellen Pickbewegungen aufzulesen. Während er zur Brutzeit paarweise sein Revier verteidigt, ist der Wiesenpieper außerhalb der Brutsaison sehr gesellig. Auf dem Zug und in den Winterquartieren bildet er oft große Schwärme.

Brutzeit und Aufzucht

Die Brutzeit beginnt meist Ende April oder im Mai. Das Nest wird sehr gut versteckt direkt am Boden erbaut, häufig unter einem überhängenden Grasbüschel oder in einer natürlichen Mulde. Es besteht aus trockenen Gräsern und Moos, innen wird es oft mit feinen Halmen oder Tierhaaren ausgepolstert. Das Weibchen übernimmt den Bau des Nestes weitgehend allein. Ein Gelege umfasst in der Regel 4–6 stark braun oder grau gefleckte Eier, die fast ausschließlich vom Weibchen etwa 11–15 Tage lang bebrütet werden.

Interessant ist, dass der Wiesenpieper zu den häufigsten Wirtsvögeln für den Kuckuck gehört. Die Küken sind Nesthocker und werden von beiden Elternteilen intensiv mit Insekten gefüttert. Bereits nach 10–14 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest, noch bevor sie voll flugfähig sind. Sie verbergen sich extrem geschickt in der umliegenden Vegetation und werden dort von den Eltern noch einige Zeit weiter betreut.

Stimme

Der Wiesenpieper ist ein sehr ruffreudiger Vogel, der besonders beim Auffliegen auf sich aufmerksam macht. Der typische Flug- und Alarmruf ist ein feines, scharfes und oft gereihtes „ist-ist-ist“ oder „tsiep-tsiep“. Sein Gesang ist ein feines, sich beschleunigendes Trillern, das in einer Reihe von klaren Tönen endet. Meist wird dieser Gesang im charakteristischen Singflug vorgetragen: Das Männchen steigt oft leise singend steil in die Luft auf und lässt beim Herabgleiten den lauten, perlenden Gesang in voller Länge erklingen. Oft verraten erst diese akustischen Signale den kleinen Vogel in den weiten Landschaften.