Der Weißstorch (Ciconia ciconia) ist wohl einer unserer bekanntesten und beliebtesten Vögel. Mit seinen langen roten Beinen und dem roten Schnabel stakst er majestätisch über unsere Wiesen. Er gilt als Frühlingsbote, Glücksbringer – und im Märchen bringt er ja angeblich sogar die Babys! Als großer Schreitvogel ist er seit Jahrhunderten eng mit dem Menschen verbunden und baut seine riesigen Nester am liebsten gut sichtbar hoch oben auf Dächern, Schornsteinen oder Strommasten. Der Weißstorch wirkt am Boden durch sein langsames, bedächtiges Schreiten sehr ruhig.
In der Luft verwandelt er sich jedoch in einen meisterhaften Segelflieger, der die warme Aufwind-Thermik nutzt, um fast ohne einen einzigen Flügelschlag riesige Strecken in die Höhe und in die Ferne zu gleiten.
Größe: 95–110 cm
Gewicht: 2.500–4.500 g
Spannweite: 180–218 cm
Erscheinungsbild: Unverwechselbar; überwiegend strahlend weißes Gefieder mit komplett schwarzen Schwungfedern an den Flügeln; langer weißer Hals, langer spitzer roter Schnabel und lange rote Beine. Männchen und Weibchen sehen gleich aus, das Männchen ist oft nur minimal größer.
Art: Schreitvogel aus der Familie der Störche (Ciconiidae)
Lebensraum: Feuchte Wiesen, Weiden, Flussauen und Sumpfgebiete; brütet gerne in Dörfern und Städten in direkter Nähe zu insektenreichen Feuchtgebieten.
Vorkommen
Der Weißstorch ist in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Westasiens zu Hause. In Deutschland findet man ihn besonders häufig in flachen, feuchten Regionen, wie zum Beispiel in den großen Flussauen von Elbe oder Rhein. Er ist ein klassischer Langstreckenzieher. Die meisten unserer Störche verlassen uns im Spätsommer und segeln in großen Schwärmen bis nach Afrika, um dort den Winter im Warmen zu verbringen. Weil die Winter hierzulande aber milder werden, bleiben in den letzten Jahren auch immer mehr Störche einfach bei uns in Europa.
Nahrung und Verhalten
Auf dem Speiseplan des Weißstorchs stehen keineswegs nur Frösche! Er ist ein sehr flexibler Fleischfresser und erbeutet auf Wiesen und frisch gemähten Feldern vor allem Regenwürmer, große Insekten (wie Heuschrecken), Mäuse, Eidechsen und gelegentlich auch kleine Fische. Bei der Jagd stakst er langsam und hochkonzentriert durch das Gras. Hat er eine Beute entdeckt, stößt er blitzschnell mit seinem langen Schnabel zu wie mit einer Pinzette. Außerhalb der Brutzeit und besonders auf dem langen Vogelzug ist er sehr gesellig und reist in riesigen Gruppen.
Brutzeit und Aufzucht
Die Brutzeit beginnt meist im April, kurz nachdem die Störche aus dem Süden zurückgekehrt sind. Der Weißstorch baut einen riesigen Horst (so nennt man sein Nest) aus dicken Ästen und Zweigen, der jedes Jahr wiederverwendet und weitergebaut wird. So ein Nest kann im Lauf der Jahre über zwei Meter hoch und buchstäblich tonnenschwer werden! Ein Gelege umfasst in der Regel 3–5 weiße Eier, die von beiden Elternteilen abwechselnd etwa 30–34 Tage lang bebrütet werden. Das Paar teilt sich auch das Wacheschieben und die Nahrungssuche absolut fair auf.
Die Küken sind sogenannte Nesthocker. Sie bleiben zunächst gut behütet im Horst und werden von den Eltern gefüttert, die das gesammelte Futter im Nest auswürgen, damit die Kleinen es schlucken können. Nach etwa 60 Tagen sind die Jungstörche flügge, werden aber oft noch zwei bis drei Wochen von den Eltern begleitet, bevor sie sich auf die große Reise in den Süden machen.
Stimme
Der Weißstorch ist fast völlig stumm – er hat nämlich keine richtigen Stimmbandmuskeln (die sogenannte Syrinx), um zu singen oder zu rufen! Lediglich die ganz jungen Küken geben zischende oder bettelnde Laute von sich. Trotzdem ist er definitiv nicht leise: Um seinen Partner am Nest zu begrüßen, Feinde abzuwehren oder sein Revier zu markieren, klappert der Storch laut und rhythmisch mit seinem Schnabel. Dabei wirft er den Kopf oft dramatisch weit in den Nacken auf den Rücken. Genau deshalb wird er bei uns auch liebevoll „Klapperstorch“ genannt!












