Die Silbermöwe (Larus argentatus) ist der Inbegriff des Küstenvogels und wohl die bekannteste Großmöwe an unseren Stränden. Mit ihrem kräftigen Körperbau, dem hellgrauen Rücken und dem massiven gelben Schnabel mit dem charakteristischen roten Fleck ist sie kaum zu übersehen. Ihre Anpassungsfähigkeit, die ständige Präsenz an Küsten und Häfen sowie ihr durchdringendes Rufen machen sie zu einem festen Bestandteil der maritimen Landschaft.
Größe: 55–67 cm
Gewicht: 800–1.500 g
Spannweite: 130–150 cm
Erscheinungsbild: Weißer Kopf und Unterseite, silbergraue Oberseite (Mantel), fleischfarbene Beine und kräftiger gelber Schnabel mit rotem Gonysfleck
Art: Möwe aus der Familie der Möwenverwandten (Laridae)
Lebensraum: Küsten, Inseln, Flussmündungen, zunehmend auch im Binnenland, in Städten und auf Mülldeponien
Vorkommen
Die Silbermöwe ist vor allem in Nord- und Westeuropa verbreitet. In Mitteleuropa besiedelt sie zahlreich die Nord- und Ostseeküste, wobei sie Dünenlandschaften, Steilküsten und Inseln bevorzugt. Anders als viele reine Küstenvögel ist sie ein erfolgreicher Kulturfolger und hat ihren Lebensraum inzwischen weit in das städtische Binnenland ausgedehnt, wo sie flache Dächer als Brutplätze nutzt. Viele Silbermöwen sind Standvögel oder Kurzstreckenzieher, die auch im Winter in der Nähe ihrer Brutgebiete verbleiben, solange das Nahrungsangebot ausreicht.
Nahrung und Verhalten
Silbermöwen sind opportunistische Allesfresser mit einem extrem breiten Nahrungsspektrum. Sie fressen Fische, Krebstiere, Muscheln und Würmer, nutzen aber ebenso menschliche Abfälle, Aas oder rauben Eier und Küken anderer Vögel. Ihre Jagdmethoden sind vielfältig: Sie lassen Muscheln aus der Höhe fallen, um die Schalen zu knacken, folgen Fischkuttern oder „treteln“ auf Wiesen nach Regenwürmern. Sie sind tagaktiv und meist sehr gesellig, oft in großen gemischten Trupps an Ruheplätzen zu sehen. Gegenüber Artgenossen und Fressfeinden treten sie oft dominant und lautstark auf. Ihr Verhalten zeugt von hoher Intelligenz und Anpassungsfähigkeit, was ihnen das Überleben in direkter Nähe zum Menschen erleichtert.
Brutzeit und Aufzucht
Die Brutzeit der Silbermöwe beginnt meist im April oder Mai. Sie brütet bevorzugt in Kolonien, oft in Dünen, auf Felsvorsprüngen oder zunehmend auf Gebäudedächern. Das Nest ist ein recht großer Bau aus Pflanzenteilen, der meist am Boden oder an geschützten Stellen errichtet wird. Ein Gelege umfasst in der Regel 2–3 Eier, die von beiden Elternteilen etwa 27–29 Tage lang bebrütet werden. Die Küken sind sogenannte „Platzhocker“: Sie können zwar laufen, bleiben aber in der Nähe des Nestes und werden von den Eltern gefüttert.
Dabei picken die Küken instinktiv gegen den roten Fleck am Unterschnabel der Eltern, um den Futterreflex auszulösen. Nach etwa 35–40 Tagen werden die Jungvögel flügge, werden aber oft noch einige Wochen von den Eltern betreut.
Stimme
Die Stimme der Silbermöwe ist unverwechselbar und prägt die Geräuschkulisse der Küste („Möwengeschrei“). Das Repertoire ist vielfältig: Am bekanntesten ist das weithin schallende, lachende „Au-kjo-kjo-kjo-kjo“, das oft mit weit aufgerissenem Schnabel und nach oben gerecktem Kopf vorgetragen wird („Jauchzen“). Daneben gibt es tiefere, bellende Warnrufe oder ein klagendes „Kli-u“, das oft im Flug zu hören ist.











